Concerts
 
 
 
 
 
 
 
 

Gala Opening
Thursday,23 Sep.2010,7pm
CJCC

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Midnight Piece
Saturday,25 Sep.2010,12pm
Metahouse
 

Saturday, 25th September,
Metahouse / German-Cambodian Cultural Center
No37, Sothearos Blvc. Tonle Bassac




12pm (midnight) - Discover Schumann on Kagel
Contemporary Music Theater (Film)



An Argentinian resident of Germany, one might say Kagel's dramatic and often humorous music is both rooted in and rooting against the European classical tradition. Kagel's output as a filmmaker is tremendous. He just about made a film or video each year in the 60s and 70s, and has only begun to slow down in recent times. A lot of these movies were originally produced for the small screen, but this has in no way dulled the expansiveness and surreal qualities of his vision. Kagel's films are rarely, if ever, screened outside of Europe, so series may well be the largest sampling of his films in North America to date.

 

Mauricio Kagel(1931-2008)
…from the diary of Robert Schumann
for voices and instruments to four fragments
Contemporary Music Theater (Film)

Mitternachtsstük- Midnight piece

1. midnight piece
2. midnight piece of Selene
3. night phalaene of Selene
4. altar sheet

 

Robert Schumann Tagebuecher, Band I / 1827-1838

I.Mitternachtsstük
Die bleichen Sterne glänzten magisch über die Todtenhügel u. die Thränenweiden u. die Cypressen flüsterten sich leise ihre Sprache zu – die Gräber ragten stumm über die Blumen her-vor, die im Winde taumelten u. die Monumente warfen grosse lange Schatten, wie die Zeiger der Zeit oder der Ewigkeit u. sie sagten : seht, wir zeigen, wo ihr einst aber liegt – der Mond leuchtete stumm u. in dem Aether tönten lange Schwanengesänge einförmig u. düster – die Erde lag formlos da u. schwieg u. schlummerte. Selene, Selene, rief es vor dem Fenster des Todten-gräbers; Selene richtete sich empor; sie sah scheu in den Mond, dann schlug sie die Arme empor u. wollte den Mond umarmen – der Busen schlug hoch u. laut, wie Uhrschläge; er war offen u. ein langes weisss Nachtkleid hing nachlässig über den Körper - die ‹Loken› langen Haare fielen wild-düster herunter – Selene lief rasch über den Gottesker u. las die Grabschriften : hier ruht ein zerbrochnes Herz, las die Erleuchtete; sie setzte sich lächelnd auf den Grabhügel; jetzt kam den Kirchengang ein Gerippe hergegangen; sie hörte, wie die Gebeine klapperten; aber sie vermochte nicht aufzustehen, das Gerippe kam näher u.setzte sich neben sie u. schlang den Arm um ihren Leib; einen Kuss willst du haben, sagte sie schuchtern. Das Gerippe lachte u. gab ihr einen EiskuB – dann ging es fort. Ich habe wohl gesündigt, rief sie; dann stand sie auf u. ging in die Kirche u. kletterte auf der Emporkirche herum – Das Gerippe sass an der Orgel u. spielt einen Walzer – der Mond ging unter – Selene ging in’s Todtengräberhaus. Es war stumm u. still u. sie schlumerte.

II. Mitternachtsstük aus Selene
Sie saßen sich schweigend gegenuber, beyde den Kopf auf dem Arm gestützt; das Licht brannte schwach u. der Mond schien trübe, als wagt’ er nicht zu glänzen auf einen Christus von Guido Reni – sie sagten lange nichts – es ist doch wohl keine Unsterb- lichkeit, fragte Gustav lang u. gedehnt, wie im Traum; er bewegte keine Muskel u. es schien, als fragt er sich selber. Der Prinz sah ihn an u. sagte schnell: ja. Sie schwiegen lange. Du bist wohl wahnsinnig, Gustav, sprach er nach einer langen Pause – draußen zogen große Wolken am Himmel vorüber; im Westen glänzte noch am Himmel ein feuriger Schein, die Blu-men sprachen mild miteinander; im Osten zog ein kalter Nacht-sturm heran; der Wind schmß ein Fenster heraus; Gustav stand sachte auf u. ging langsam ans Fenster; der Wind schüttelte seine Haare wild.- Wahnsinnig, sagt’ er;
Er dehnte noch hinzu : wenigstens ist es jeder Mensch, weil er noch lebt. Der Prinz antwortete nichts; Gustav, sang er nach einer Pause; er faßte ihn geheimnißvoll an u. fragte leise: bist du ein Mensch – Gustav nikte stumm – warum nikst du denn, du Mumie? Ich habe heute einen vernünftigen Gedanken – wie der Mensch glaubte, nach dem Tode wäre Vernichtung, da rief sein Herz: es muß ein komischer Gott seyn, der uns zum Sterben leben läßt; wie dem Menschen aber eine Stimme zurief: du lebst fort, was rief der Mensch da aus, Gustav? Gu- stav zeigte an die Wolken u. sagte dumpf: wenn du bist, Gött, warum machtest du Menschen? u. wenn du nicht bist, warum sind wir keine Gotter. So giebt es keine, sagte der Prinz, denn giebt es eine Unsterblichkeit, so giebt es keinen Gott. Nicht- wahr? Gustav antwortete nicht; aber sie gingen.

III. Nachtphaläne in der Selene
Gustav ging noch bleich zum Prinzen, es war schon Hochmitter- nacht; gute Mitternacht, sagte Gustav düster lächelnd; der Prinz lag schlafend auf seiner Ottomanne; aber seine Augen warden offen – vor ihm lagen die Mumien aufgeschlagen; auch ein Gu- stav, sagte Gustav schmerzlich u. schmiß das Buch von sich; vorn hinein schrieb Gustav: ,,ich wähnte, Prinz, du wachtest; aber du schliefst u. nur deine Augen waren offen; da dacht’ ich: o so denken die andern Menschen immer, daß man wacht, weil es so s c h e i n t, aber nicht daß man schlummert. Gute Nacht, Du!“Das Nachtlicht flakkerte schwach u. erbärmlich; Gustav stand auf u.blies es aus; der Prinz wachte auf, sobald das Nachtlicht ausgelöscht war. ,,Gustav“ rief er; Carl, rief er – sie lagen sich in den Armen. Er klingelte - ,,Champagner“ rief er dem Be-dienten. Sie tranken, bis es Morgen ward. Gustav taumelte fort ...

IV. Altarblatt
Sie gingen in den Dom; es war schon spät Abends; im Dom war es finste u. stumm; am Himmel brannte der Mond schwach u. trübe u. die Bogen u. die Schiffe des Doms wölbten sich tief- magisch empor u. die alten Heiligenbilder blikten kalt an den Mauern hervor. Minona schmiegte sich ängstlich an Selene; Gu- stav u. der Prinz folgten; Gustav setzte sich düster in einen Kirchenstuhl, der Prinz stand an ein Kreuz gelehnt; Minona u. Selene setzten sich auf die Altarstufen nieder; wie sie so schwei-gend etliche Minuten gesessen hatten, fing auf der Emporkirche ein kleines Licht zu brennen an u. die schmerzhaften Züge eines berühmten Mannes traten düster-scharf bezeichnet hervor; er warf einen großen weiß Mantel von sich. Vor einer Madonna, die nicht weit von ihm hing, neigte er das Haupt; dann schlug er, wie ein Seher, die Augen empor, stützte den Kopf auf den linken Arm u. sah in die kühnen Bogenwölbungen hin-auf; aus der andern fing ein einsamer, reiner Ton zu quellen an; wie ein milder, schwebender Seufzer Gottheit flog der Ton auf – ringsum Alles still – der Mond war hinter den Wolken getreten u. das Licht flakkerte still u. mahlte an der Wand die Züge des Fremden groß nach – die bemahlten, altgothischen Fenster leuchteten nur noch von der versilberten Wolke des Mondes nach; Selene bog das Haupt empor, als wollte sie su-chen, wo der Ton herkäme u. wo er verschwände; jetzt kamen nun Töne u. bange, zweifelhafte Septimen klangen, wie Thrä-nen, durch die erhabene Wehmuth der Töne; schwebend u. be-flügelt flossen sie fort, wie sanfte Ströme von Abendroth u. die Herzen schwamen ihnen nach; da schlugen die Flügel der lieben-den Seelen zusammen u. die zitternden Töne fuhren ihnen sanft nach u. führten die Lippen des Herzens zusammen. Jetzt schwie-gen die Töne – die Mauern tönten noch, wie entzükt, mit. Der Fremde wand den linken Arm von dem Kopfe, die Haare fielen düster herunter u. verdekten halb die blassen Marmorzüge. Niemand athmete; die Fensterscheiben knarrten in der Pause, als zürnten sie, daß der Fremde aufhörte. Still – da wandelte ein einziger, tiefer Ton, als fürchtete er zu athmen, leise u. kaum hörbar durch das Schiff – neue kamen – es schwillt, es wächst, es steigt – da überquillt Alles von Tönen, da tönen die Steine, die Statuen u. die Heilgenbilder tönen, wie belebt u. Alles tönt ent-geistert nach – o da flohen die Herzen erschroken zu ihren Thrä- nen u. das Auge fließt über u. das Herz spricht; denn es weint ja! und die Töne schmelzen wehmüthig hin, wie ein gefallener Engel u. eine gesunkene Unschuld klagt – Jetzt traten neue dazu; das Licht flakkerte nur schwach u. wollte verlöschen u. die Flamme u. die Töne brannten immer schwächer danieder; jetzt war es, als spräche ein Ton nur gebrochen noch im Schlummer, die Lampe löschte aus – da trat prächtig u. leuchtend, wie ein Auge des Gottes, der Mond hinter den Wolken vor u. brannte düster an die Mauern heran – da war es, als wachte die ganze Welt der Töne noch einmal auf – mächtig u. stark, eine ewige Hymne der Seraphe rief, wie die Harfen der Ewigkeit, grüßend die Töne zusammen u. die Seelen kannten sich u. die Hände falteten sich zum Gebet u. die Augen wanden sich in die Empor-kirche der unsichtbaren Töne – o da weintest auch du weiter, Gustav – u. er gingst zur Kirche hinaus u. draußen faltete er die Hände u. rief: O ihr himmlischen Klänge aus den Gräbern einer entschlafenen Seligkeit, sagt u. sagt mir, warum wein’ ich, wenn ich euch höre – da antworteten die Töne: wir sind Vorboten einer Welt, der du entgegenweinst, die du hier nimmer findest – wir kommen von Jenseits; da rief er schmerz-lich aus: o ihr Töne, giebt es denn eine Unsterblichkeit? - - - Sie verstummten – der Fremde schließt – Noch ein, zwey Töne – Jetzt wird Alles still – der Mond floh schüchtern zurük – noch ein dissonirender Accord u. keiner mehr – o da verlangten die Herzen nach dem milden Trost der Auflösung; aber kein Ton folgte nach u. Alles war stumm. Schweigend stand der Fremde auf, u.schweigend gingen die vier Menschen nach- Gustav sagte: Und was ist denn unser Leben auch weiter als ein zweifelvoller Septimenaccord, der nur unerfüllte Wünsche u. ungestillte Hoffnungen in sich führt.